2. Mai 2020 Update zum Thema Coronavirus -In Deutschland opfert man Menschenleben im Namen der Wirtschaft.

Deutschland, das Land, das seine Bürger auf dem Altar des Kapitalismus und der Wirtschaft opferte. Die Dummheit und der Egoismus so vieler Bürger trägt ein Übriges dazu bei.
Das ist das Ergebnis der Lockerungen. Schaut euch diese Zahlen an, von gestern auf heute, achtet vor allem auch auf die Zahlen in Bayern!

„In einem baden-württembergischen Schlachthof haben sich fast 300 Arbeiter mit Covid-19 infiziert. Das hat offenbar als erste die rumänische Regierung bekannt gemacht, da sich unter den Erkrankten mindestens 200 rumänische Arbeiter befinden.

Die Arbeiter seien, wie es heißt, keine Saisonkräfte, sondern sie arbeiteten das ganze Jahr in der deutschen Fleischindustrie. Damit gehören sie zu jenen überausgebeuteten osteuropäischen Arbeitern, die von unterschiedlichen Subunternehmen angeworben und meist zu Sklavenlöhnen und -bedingungen an deutsche Betriebe weitervermitteln werden.

Der Schlachthof der Firma Müller Fleisch liegt in Birkenfeld bei Pforzheim und hat insgesamt 1100 Beschäftigte, darunter fast 500 Arbeiter aus Rumänien. Andere kommen auch aus Polen und Ungarn.

Die Quarantäne, die offiziell über den Betrieb verhängt wurde, funktioniert offenbar nach dem Modell, das die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vor kurzem (im Fall eines an Covid-19 verstorbenen rumänischen Erntehelfers) mit den Worten „faktische Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit“ bezeichnete. Man könnte es auch hochgefährliche Zwangsarbeit nennen.

Schon am 7. April hatte der Schwarzwälder Bote über erste Hinweise auf Coronafälle auf diesem Schlachthof berichtet. Demnach hatte sich ein Mitarbeiter der Fleischfirma, der in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnt, so schlecht gefühlt, dass er bei der Polizei anrief. Er wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht, und zwei Tage später lag das positive Covid-19-Testergebnis vor.“

https://www.wsws.org/de/articles/2020/05/01/ruma-m01.html

Alles für den Euro, was zählt schon ein Menschenleben?

Gerade in den Nachrichten…
Die Wirtschaft macht Druck…
Wir sind verloren. 😰

Quelle: https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/

„Bundesregierung beschleunigt tödliche „Zurück an die Arbeit“-Politik

Von Johannes Stern
1. Mai 2020

Trotz der Ausbreitung der Covid-19 Pandemie in ganz Europa und weltweit treibt die Bundesregierung ihre „Lockerungspolitik“ weiter voran. Nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstagnachmittag verkündete Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einer Pressekonferenz weitere Maßnahmen. Es werde von nun an „wieder Gottesdienste geben können“ und „unter Auflagen“ sollten auch Museen, Galerien, Gedenkstätten, Zoos und Spielplätze wieder öffnen.

Die „heutigen Beratungen“ seien dabei nur „ein Zwischenschritt“, erklärte Merkel und bedankte sich bei allen, die sich über das „Hochfahren“ der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens „Gedanken machen“. Bereits am 6. Mai wolle man „ein weitergehendes Paket verabschieden“. Unter anderem werde die Regierung bis dahin die „Konzepte der Kultusminister auswerten“, die die umfassende Öffnung der Schulen und Kitas vorsehen. Anschließend werde es dann darum gehen, auch Perspektiven für die Wiederbelebung der Gastronomie, des Tourismus und anderer Bereiche auszuarbeiten.

Wie bereits vor zwei Wochen, als die Bundesregierung die ersten Lockerungen beschloss, verband Merkel ihre Ankündigungen mit Aufrufen zur „Vorsicht“ und gelobte, alles dafür zu tun, „dass es keinen Rückfall gibt“. Die Öffnungspolitik rechtfertigte sie mit der Behauptung: „Wir haben es geschafft, die Ausbreitung des Virus zu verringern“.

Das ist nichts als Propaganda. Tatsächlich breitet sich die Pandemie auf der ganzen Welt weiter aus und auch in Deutschland erhöht sich die Zahl der Infektionen und Toten täglich. Am gestrigen Donnerstag stieg die Zahl der gemeldeten Toten über 6500 und die Zahl der Gesamtinfektionen auf mehr als 162.000. Das ist weltweit der sechsthöchste Wert, hinter den USA (1.095.023 Infizierte/63.856 Tote), Spanien (239.639/24.543), Italien (205.463/27.967), Großbritannien (171.253/26.771) und Frankreich (167.178/24.376).

Wenige Stunden vor den Ankündigungen der Bundesregierung musste der Präsident des regierungsnahen Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, auf einer Pressekonferenz zugeben, dass die Zahl der Corona-Toten steigt. „Wir sehen, dass die Übersterblichkeit steigt in Deutschland“, sagte er. Man gehe sogar „davon aus, dass mehr Menschen“ an Covid-19 „gestorben sind, als eigentlich gemeldet“.

Mit „Vorsicht“ haben die „Lockerungen“ der Regierung nicht das Geringste zu tun. Tatsächlich werden sie in kaum einem anderen Land so umfassend und systematisch organisiert wie in Deutschland. Die Schulen und Geschäfte öffnen, die großen Autowerke und Industriebetriebe fahren die Produktion hoch und alle anderen gesellschaftlichen Bereiche sollen nun möglichst schnell folgen.

Die herrschende Klasse provoziert damit regelrecht eine Entwicklung wie in Italien oder den USA, wo das Gesundheitssystem unter der Last der Pandemie zusammengebrochen ist und bereits zehntausende unter schrecklichen Bedingungen gestorben sind. Die Öffnungspolitik gefährdet damit die Gesundheit und das Leben von Hunderttausenden und setzt sich über alle wissenschaftlichen Erkenntnisse und Warnungen hinweg.

Bereits in der letzten Woche hatte der Leiter der Virologie an der Berliner Charité, Professor Christian Drosten, davor gewarnt, den „Vorsprung in Deutschland komplett zu verspielen“. So könne „plötzlich die Epidemie-Tätigkeit in überproportionaler Art und Weise oder in nicht erwarteter Wucht“ wieder losgehen, falls die Reproduktionsrate wieder über eins steigen sollte. In den letzten Tagen wiederholte er seine Warnungen in Interviews mit der britischen und belgischen Presse.

Gestern veröffentlichte das Team um Drosten dann den Preprint einer Studie, die „vor einer unbegrenzten Wiedereröffnung von Schulen und Kindergärten in der gegenwärtigen Situation warnt“. Neue Erkenntnisse und Daten deuteten „darauf hin, dass sich die Viruslasten bei sehr jungen Menschen nicht signifikant von denen der Erwachsenen unterscheiden… Kinder können genauso infektiös sein wie Erwachsene.“

Die katastrophalen Konsequenzen der vorschnellen Rückkehr an die Schulen und in die Betriebe werden immer klarer. Anfang der Woche musste ein Gymnasium in Dormagen in Nordrhein-Westfalen nach nur zwei Tagen Schulbetrieb wieder schließen, nachdem die Mutter eines Schülers positiv auf Covid-19 getestet worden war. Auch in den Betrieben, wo die hygienischen Bedingungen oft nicht minder katastrophal sind, grassiert das Virus. Im Amazon-Verteilzentrum in Winsen haben sich Berichten zufolge mindestens 68 von 1800 Beschäftigten mit dem Coronavirus angesteckt. In einem Schlachthof der Firma Müller Fleisch in Birkenfeld bei Pforzheim sogar fast 300.

Trotzdem treibt die Große Koalition in enger Zusammenarbeit mit allen Bundestagsparteien und den Gewerkschaften die „Zurück an die Arbeit“-Politik aggressiv voran. Die World Socialist Web Site hat bereits in einem früheren Kommentar analysiert, welche objektiven Interessen die herrschende Klasse und ihre Organisationen treiben. Zum einen sollen die hunderte Milliarden, die im Rahmen der sogenannten „Corona-Rettungspakete“ vor allem an die Großunternehmen, Banken und Superreichen geflossen sind, wieder aus der Arbeiterklasse herausgepresst werden.

Ein zweiter Faktor sind die Gelüste des deutschen Imperialismus, der die Krise als Chance sieht, sein Gewicht gegen die internationale Konkurrenz zu stärken. „Zudem gibt es geostrategische Interessen“, bemerkte Der Spiegel bereits im April in einem Artikel über den „Neustart der Autoindustrie“. Die Konzernchefs wollten „den europäischen Markt stärken, um einen Gegenpol zu den Wirtschaftsmächten USA und China zu bilden“.

Der Klassencharakter der Krise tritt immer offener zutage. Während sich das deutsche Kapital anschickt, neue Profite zu generieren und sich auf Handelskrieg und Krieg zwischen den Großmächten vorbereitet, stehen Millionen von Arbeitern und ihre Familien vor dem Nichts. Gestern gab die Bundesagentur für Arbeit bekannt, dass deutsche Unternehmen für 10,1 Millionen Angestellte Kurzarbeit beantragt haben. Die Zahl der Arbeitslosen sei im April um 308.000 auf 2,644 Millionen gestiegen. Bereits am Mittwoch hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent in diesem Jahr prognostiziert, das wäre der größte Einbruch der deutschen Wirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

All diese Entwicklungen haben revolutionäre Implikationen. Die „Back to work“-Kampagne, die in allen Ländern forciert wird, hat bereits jetzt zu einer explosiven Reaktion in der Arbeiterklasse geführt. In den vergangenen Tagen kam es zu spontanen Streiks unter anderem in Mexiko, Simbabwe, Griechenland, Brasilien und Großbritannien. Ein Zentrum der Streikbewegung sind die USA – ein globales Epizentrum der Pandemie – wo es seit Anfang März mindestens 140 spontane Streiks gab. Und auch hierzulande findet eine wachsende Radikalisierung unter Schülern, Studenten und Arbeitern statt.

Trotz der aggressiven Kampagne in Politik und Medien, die einerseits die Pandemie verharmlost und andererseits in faschistischer Manier dazu aufruft, Menschenleben dem Profit zu opfern, lehnt eine große Mehrheit die Öffnungspolitik ab. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov geht 49 Prozent der Deutschen die Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu schnell. 28 Prozent erklärten, sie seien mit der eingeschlagenen Geschwindigkeit zufrieden, und nur 15 Prozent sagten, die Einschränkungen würden zu langsam zurückgenommen.

Arbeiter werden nicht ohne Widerstand die falsche Wahl akzeptieren, mit der sie konfrontiert sind: nämlich, dass sie sich entweder der Pandemie aussetzen oder Arbeitslosigkeit und Armut akzeptieren. Sie müssen sich international vereinen und den tödlichen Plänen der Bourgeoisie ihr eigenes sozialistisches Programm entgegenstellen. Ein Programm, das die großen Unternehmen und Banken unter die demokratische Kontrolle der Arbeiter stellt und die Vermögen der Superreichen enteignet und für die Bekämpfung der Pandemie sowie die Befriedigung dringender sozialer Bedürfnisse einsetzt.

https://www.wsws.org/de/articles/2020/05/01/bund-m01.html

„„Heute Show“ (ZDF): Abdelkarim und Kamerateam in Berlin von 15 Personen angegriffen +++ Mehrere Verletzte im Krankenhaus

BERLIN. Schock-Nachricht für alle Fans der „Heute Show“ (ZDF)!

Am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Eindämmungsmaßnahmen kam es am frühen Freitagabend zu einem Übergriff auf ein siebenköpfiges Kamerateam der „Heute Show“. Sie drehten gerade mit dem Kabarettisten Abdelkarim einen Beitrag, als sie in der Nähe des Alexanderplatzes in Berlin von rund 15 Personen angegriffen wurden.

„Heute Show“-Kamerateam in Berlin angegriffen

Fünf Mitglieder des Kamerateams sind bei dem Angriff verletzt worden – vier davon so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Das teilte das ZDF am Freitagabend mit. In der „Heute Journal“-Ausgabe um 19 Uhr erklärte Moderatorin Barbara Hahlweg, dass der Dreh mit Abdelkarim zum Zeitpunkt des Übergriffs bereits abgeschlossen gewesen sein soll. Der 38-jährige Kabarettist aus Bielefeld soll unverletzt geblieben sein.“

https://www.derwesten.de/panorama/vermischtes/heute-show-zdf-kamerateam-ueberfall-angriff-verletzte-abdelkarim-oliver-welke-id229029125.html?service=amp

CoronavirusÜbersterblichkeit – Wie tödlich ist das Coronavirus wirklich?

Wie viele Menschen sterben am Coronavirus? Statistiken zur sogenannten Übersterblichkeit können helfen, diese Frage zu beantworten. Doch auch dabei gibt es Probleme – die zum Teil von Kritikern und Aktivisten missbraucht werden.

Ende April sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler: „Wir gehen eigentlich davon aus, dass mehr Menschen an dem Virus gestorben sind, als eigentlich gemeldet.“ Belastbare Zahlen gebe es dafür noch nicht, aber man beobachte, dass die Übersterblichkeit steige.

Was ist Übersterblichkeit?

Übersterblichkeit (Exzess-Mortalität) gibt an, wie viele Menschen im Vergleich zum Durchschnitt mehr gestorben sind. Dazu betrachtet man jeweils bestimmte Zeiträume – wie ausgewählte Monate in früheren Jahren. Es geht somit um eine erhöhte Sterbrate.

Das Robert Koch-Institut berücksichtigt die Übersterblichkeit zum Beispiel bei den jährlichen Grippetoten in Deutschland. Während der Grippewelle 2017/2018 wurde die Zahl mit rund 25.000 angegeben. Das ist eine Schätzung. Im Zeitraum dieser Grippewelle starben insgesamt – also unabhängig von der Todesursache – mehr Menschen, als man zuvor erwartet hatte. Dieses Mehr an Toten ist die Übersterblichkeit. Unter bestimmten statistischen Voraussetzungen (Stichwort: Prognoseintervall) können diese zusätzlichen Todesfälle der Grippe zugeordnet werden. So kam es zu der geschätzten Zahl von 25.000 Grippetoten; laborbestätigt sind für die Zeitraum 1.674 Influenza-bedingte Todesfälle.

Dass es bei den oft genannten Angaben zur Todesrate im Zusammenhang mit Covid-19 einige Probleme und Unklarheiten gibt, haben wir bereits in unserem Stück zu den vergleichsweise niedrigen Todesraten in Deutschland erläutert (siehe unten). Experten hoffen nun, durch Daten zur Übersterblichkeit ein genaueres Bild der Covid-19-Todesfallzahl zu bekommen.

Welche Erkenntnisse zur Übersterblichkeit der vergangenen Wochen gibt es bereits?

„Kaum Anzeichen für erhöhte Sterblichkeit“, titelten die einen, „Sterbefallzahlen in Deutschland steigen an“, titelten die anderen an ein und dem selben Tag. Das Statistische Bundesamt hat kürzlich erste Daten zur Übersterblichkeit der vergangenen Wochen veröffentlicht. Wegen des Meldeverzugs sind derzeit nur Daten bis zum 5. April verfügbar. Die Daten sollen in den kommenden Wochen laufend ergänzt werden.

Von Januar bis März sind pro Tage konstant etwa 2.600 bis 2.800 Menschen in Deutschland gestorben. Während sich also in den ersten Monaten des Jahres keine besondere Übersterblichkeit zeigt, nimmt dieser Wert seit der letzten Märzwoche leicht zu. Das Statistische Bundesamt schreibt dazu: „Da die Grippewelle 2020 seit Mitte März als beendet gilt“, und damit die Zahl der Todesfälle wie in früheren Jahren eigentlich sinken müsste so, „ist es naheliegend, dass diese vergleichsweise hohen Werte in einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen.“ Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Da schwer erkrankte Corona-Patienten mehrere Wochen auf der Intensivstation liegen, dürften sich auch entsprechenden Todesfälle erst relativ spät in den Statistiken zeigen.

Daten im europäischen Vergleich gibt es bei Euromomo, ein Portal, dass seit Jahren die Todesfälle von 24 EU-Staaten zusammenträgt. Für Deutschland war dort bisher keine Übersterblichkeit erkennbar. Der Virologe Kekulé erklärte dazu im MDR-Podcast, dass Deutschland eigentlich nur in zwei Bundesländern Todesfälle statistisch sauber erhebe: in Berlin und Hessen. Weil Ansteckungen mit dem Coronavirus regional sehr unterschiedlich auftauchen, könne man aus diesen Daten kaum einen Wert für ganz Deutschland errechnen.

Das Nachrichtenportal t-online.de hat nach eigenen Angaben die Übersterblichkeit in besonders vom Coronavirus betroffenen Regionen ausgewertet. Demnach zählten die Standesämter im Landkreis Tirschenreuth für den März 146 Todesfälle. Das seien rund 55 Prozent mehr Todesfälle als in einem durchschnittlichen März der vergangenen fünf Jahre, berichtet t-online.de. Im Landkreis Heinsberg seien laut Daten des Landesamts für Statistik NRW und des Landkreises im März ebenfalls mehr Sterbefälle registriert worden als üblich. Je nach Datensatz erscheine eine Übersterblichkeit zwischen 10 und 19 Prozent im Verhältnis zu den Vergleichsmonaten der fünf Vorjahre möglich, heißt es.

Wie steht es um die Übersterblichkeit durch Covid-19 in anderen Ländern?

Wie die Tagesschau unter Berufung auf Euromomo berichtet, sind in Europa zwischen Mitte März und Mitte April rund 100.000 Menschen mehr als normal gestorben. Besonders hoch liege dieser Wert bei den über 65-Jährigen: In dieser Altersklasse gebe es eine Übersterblichkeit von rund 95.000 Fällen.

Bei Euromomo werden für 24 EU-Staaten auch die Abweichungen vom Normalbereich der Sterblichkeit berechnet. Derzeit gibt es diese vor allem in Spanien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien und auch in Schweden.

Auch für die USA gibt es bereits Analysen zur Übersterblichkeit. Wie die Washington Post in Zusammenarbeit mit der Universität Yale berichtet, gab es von Anfang März bis einschließlich 4. April rund 15.400 Todesfälle mehr als im gleichen Zeitraum der Vorjahre. Offiziell als Corona-Tote gemeldet wurden in diesem Zeitraum aber nur 8.128 Menschen. Allerdings ließen die Zahlen keinen gesicherten Schluss zu, wie viele der rund 7.000 zusätzlichen Todesfälle mit einer Corona-Infektion zusammenhingen, hieß es.

Der „Economist“ hat die Zahlen jüngst in mehrere Grafiken veranschaulicht – und diese zeigen insbesondere in New York City, Belgien, Spanien und der Lombardei erheblich Anstiege seit Ende März.

Welche Unklarheiten gibt es bei der Übersterblichkeit?

Unklar ist derzeit, welche anderen Effekte die Kontaktbeschränkungen und Anti-Corona-Maßnahmen auf die Todeszahlen haben. Einige Experten haben etwa die Sorge geäußert, dass Suizidraten steigen könnten, wenn psychisch Kranke derzeit schlechter versorgt werden. Auch steht die Befürchtung im Raum, dass einige Menschen mit schweren Erkrankungen derzeit nicht oder zu spät zum Arzt gehen, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus etwa im Wartezimmer zu vermeiden. Denkbar wäre es, heißt es in einem Beitrag von Deutschlandfunk-Kollegen, dass etwa Herzinfarktpatienten, die aus Angst vor Ansteckung die Klinik meiden, zur Übersterblichkeit beitragen. Zudem werden seit dem 16. März nicht notwendige Operationen in Deutschland verschoben. Auch das werde zu einer Übersterblichkeit führen, haben Ärzte vielfach gewarnt: Menschen würden indirekt an den Folgen der Coronakrise sterben, weil Kontrolltermine nicht stattfinden und wichtige Eingriffe verschoben würden. Recherchen der NewYorkTimes zur Übersterblichkeit lassen ebenfalls vermuten, dass längst nicht alle Corona-Toten als solche erfasst oder erkannt werden.

Auf der anderen Seite ist es denkbar, dass die Unfallzahlen im Straßenverkehr abnehmen könnten, wenn wie derzeit weniger Autos auf den Straßen sind. Und laut einer Studie des Centre for Research on Energy an Clean Air, von der die Nachrichtenagentur AFP berichtet, könnte die durch die Corona-Beschränkungen verbesserte Luftqualität zur Vermeidung von rund 11.000 frühzeitigen Todesfällen in Europa führen. Eine wirklich fundierte Schätzung der Todesfälle durch Covid-19 dürfte es also erst geben, wenn die Pandemie vorbei ist.

Ähnlich argumentiert auch der Statistikexperte Gerd Antes. Er hält die Todeszahlen im Zusammenhang mit Covid-19 sogar für unzuverlässig. Im Interview mit dem Spiegel sagte er, die wirklichen Zahlen ließen sich erst am Jahresende in der jährlichen Totenstatistik ablesen lassen. Denn derzeit gelte jeder Tote, der mit dem Virus in Verbindung stehe, als Corona-Todesfall. Es lasse sich aber bei Menschen mit Vorerkrankungen kaum auseinanderdividieren, welche Krankheit am Ende zu Tod geführt habe, betonte er: „Nehmen wir etwa eine Person, die schwer herzkrank ist. Wenn sie sich nun mit dem Coronavirus infiziert und stirbt, war dann das Herzleiden entscheidend oder das Virus?“

Nach Ansicht von Antes bieten auch die Zahlen nachgewiesener Infektionen derzeit kaum eine Grundlage für Prognosen. Man wisse nicht, wie viele Menschen sich bislang mit dem neuen Coronavirus infiziert haben und wie viele jeden Tag hinzukämen. Schätzungen zufolge könnte die Zahl der tatsächlich Infizierten fünf- bis zehnmal höher liegen als die offiziell gemeldeten Zahlen zeigen. Manche Schätzungen lägen sogar beim Zwanzigfachen. Man könne also nur grob abschätzen, wann und in welchem Umfang Krankenhäuser mit schwer erkrankten Covid-19-Patienten rechnen müssten.

Vorsicht Missbrauch

Trotz all solcher Unsicherheiten und statistischer Probleme greifen manche Kritiker der Corona-Einschränkungen einzelne Zahlen heraus, um sie in ihrem Sinne zu missbrauchen. Die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, die heute der AfD nahe steht, rief dazu auf, die Maßnahmen zu Corona sofort aufzuheben. Dazu verlinkte sie eine Petition, in der damit argumentiert wird, Covid19 sie nachweislich weniger gefährlich als die Grippe. Der Faktenfinder der Tagesschau hat sich eingehender damit befasst.“

https://www.deutschlandfunk.de/coronavirus-uebersterblichkeit-wie-toedlich-ist-das.1939.de.html?drn%3Anews_id=1126446

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